Impfungen für Erwachsene

 

Was ist eine Impfung?

Bei einer Impfung werden abgeschwächte Erreger oder ihre Giftstoffe (sog. Toxine) gespritzt oder geschluckt. Diese sind soweit abgeschwächt, dass sie keine Krankheit mehr auslösen können, den Körper jedoch zur Bildung von Abwehrstoffen anregen. Wie bei einer natürlichen Erkrankung bildet der Organismus die sog. Antikörper, die ihn auch bei einer späteren Ansteckung mit dem Krankheitserreger schützen können. Man spricht von einer aktiven Immunisierung, weil der Körper selbst aktiv werden muss, d.h. sein eigenes Abwehrsystem in Kraft setzt. Leider hält dieser Schutz meist nur einige Jahre an und die Impfung muss deshalb regelmäßig aufgefrischt werden. Lebenslanger Schutz besteht in der Regel nur, wenn die Krankheit selbst durchgemacht wurde.

Wann ist eine Impfung sinnvoll?

Generell besteht in Deutschland keine Impfpflicht. Jeder kann selbst entscheiden, ob er sich oder sein Kind impfen lässt. Es wird jedoch allen Eltern geraten, ihre Kinder impfen zu lassen. Nur durch einen vollständigen Impfschutz sind Kinder wenigstens vor den betroffenen Krankheiten richtig geschützt. Denn selbst harmlos erscheinende Kinderkrankheiten können schwerwiegende Komplikationen auslösen, die z.B. das Herz oder das Gehirn angreifen. Nur durch ein breit angelegtes Impfprogramm konnten gefährliche Krankheiten wie Diphtherie oder Tuberkulose in Westeuropa nahezu, die Pockenkrankheit weltweit gänzlich ausgerottet werden. Kommt es jedoch zu Impfmüdigkeit in der Bevölkerung, so können solche Krankheiten sich schnell wieder ausbreiten. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, in den nächsten Jahren auch die Kinderlähmung, die vor allem noch in Ländern der dritten Welt häufig vorkommt, auszurotten.

Eine Impfung ist dann sinnvoll, wenn:

Argumente für eine Impfung

Argumente gegen eine Impfung

Impfschäden

Impfschäden sind Schäden, die durch eine Impfung hervorgerufen werden und die über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgehen. Gefürchtet sind vor allem Hirnschäden, die zu einer bleibenden geistigen oder körperlichen Behinderung führen können. Die Problematik besteht darin, festzustellen, ob eine Krankheit durch die Impfung hervorgerufen wurde oder lediglich zum gleichen Zeitpunkt wie die Impfung aufgetreten ist, und es auch ohne Impfung zu dieser Erkrankung gekommen wäre. In seltenen Fällen kann es zu einem schweren Impfschaden kommen. jedoch ruft keiner der zugelassenen Impfstoffe mehr oder schwerere Komplikationen hervor als die Erkrankung selbst, die dadurch verhindert wird. Dass Impfschäden in der heutigen Zeit teilweise überbewertet werden, liegt daran, dass durch die gute Durchimpfung der Säuglinge kaum noch die eigentlichen Krankheiten auftreten und man z.B. das Krankheitsbild der Kinderlähmung in Deutschland kaum noch kennt. Bei Verdacht auf einen Impfschaden sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Wann sollte nicht geimpft werden

Empfohlene Schutzimpfungen

Um den Eltern und Kinderärzten die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Impfung zu erleichtern, wird von der Ständigen lmpfkommission (STIKO) des Bundesgesundheitsamtes regelmäßig ein Impfplan veröffentlicht . In ihm werden die empfohlenen Impfungen und ihr günstigster Zeitpunkt genannt. Zu diesen Impfungen zählen Diphtherie,  Wundstarrkrampf (Tetanus) und Kinderlähmung (Polio). Einige dieser Impfstoffe werden als Kombinationsspritze verabreicht.

Diphtherie
Diphtherie ist in Westeuropa selten geworden, kommt jedoch z.B. in Osteuropa noch häufig vor. Durch die Öffnung des Ostblockes tritt Diphtherie auch hier wieder vermehrt auf.

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Die Diphtherie-Bakterien bilden einen hochgiftigen Stoff (Toxin), der schwere Organschäden vor allem an Herz, Leber und Nieren auslösen kann. Auch Atemlähmungen, die zum Tode führen, sind möglich.

Impfung:
2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen und 1 Impfung nach ca. einem Jahr. Die Impfung erfolgt in der Regel als Kombinationsimpfung mit Tetanus und Diphtherie (Td-Impfung). Regelmäßige Auffrischung auch im Erwachsenenalter ist wichtig.

Komplikationen der Impfung:
Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Ältere Menschen vertragen die Impfung schlechter als Kinder.

Schutzzeit: ca. 10 Jahre.

Wundstarrkrampf (Tetanus)
Tetanus-Bakterien setzen ein Gift frei, das zu Verkrampfungen der Muskulatur bis hin zum Tod durch Atemlähmung führen kann. Die Bakterien leben überall in Erde und Schmutz und gelangen über Verletzungen in die Haut.

Gefährdung durch die Krankheit:
ca. 50% der Erkrankten sterben an Tetanus.

Impfung:
2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen und 1 Impfung nach ca. einem Jahr, in Kombination mit Diphtherie (Td-Impfung).

Mögliche Komplikationen der Impfung:
Rötung oder Schwellung der Einstichstelle. Lymphknotenschwellung oder allergische Reaktionen sind möglich.

Schutzzeit:  5-10 Jahre.

Kinderlähmung (Poliomyelitis)
Seit der Erfindung der Schluckimpfung (1962) kommt diese Krankheit bei uns nur noch selten vor. In Entwicklungsländern hingegen tritt die Krankheit wegen mangelnder Hygiene und fehlenden Impfschutzes noch häufig auf und kann somit durch Fernreisetouristen eingeschleppt werden. Ziel ist es, Polio weltweit auszurotten. Die Übertragung der Polio-Viren erfolgt von Mensch zu Mensch. Die Erreger vermehren sich nach der Aufnahme im Darm und gelangen von dort über das Blut in das zentrale Nervensystem. Oft bleibt die Krankheit völlig unbemerkt oder äußert sich durch harmlos erscheinende Beschwerden wie Fieber, Atemwegskatarrh oder Durchfall.

Mögliche Komplikationen der Krankheit:
Die Kinderlähmung kann zu Nervenlähmungen führen, die bewegungsunfähig machen.

Impfung:
Seit Mai 1998 wird nur noch der IPV - Impfstoff (Spritze) empfohlen, keine Schluckimpfung mehr. 2 Impfungen im Abstand von 4-8 Wochen und eine dritte Impfung 6-12 Monate nach der 2. Impfung. Die Auffrischung wird nicht mehr generell für alle Erwachsenen empfohlen, sondern nur noch für Reisende in Länder mit Infektionsrisiko.

Komplikationen der Impfung:
Allgemeinreaktionen des Körpers und der Haut und Reaktionen an der Einstichstelle.

Schutzzeit: 10 Jahre.

Indikationsimpfungen
 
Bestimmte Impfungen, werden nur Risikogruppen und Personen, die in bestimmte Länder reisen empfohlen. Zu diesen zählen Cholera, Gelbfieber, Grippe, Hepatitis (A), Hepatitis (B), Tollwut, Tuberkulose, Typhus und Zeckenimpfung (FSME). Bei einer geplanten Fernreise sollte man sich rechtzeitig vorher (z.B. in der Apotheke oder beim Tropeninstitut) erkundigen, ob eine Impfung sinnvoll oder sogar Voraussetzung für die Einreise in das betreffende Land ist. In jedem Fall ist bei Fernreisen ein ausreichender Impfschutz gegen Tetanus, Polio und Tbc notwendig.

Cholera
Eine Impfung ist nur bedingt empfehlenswert, viel wichtiger ist die Einhaltung von Hygieneschutzmaßnahmen. Empfohlen wird die Impfung aber bei besonders hohem Infektionsrisiko (z.B. Entwicklungshelfer). In einigen Ländern wird jedoch eine Choleraimpfung bei der Einreise verlangt.

Impfung: drei Spritzen in ca. 8 Tagen.

Komplikationen der Impfung:
Fieber, Schmerzen und Hautreaktionen.

Schutzzeit: ca. 6 Monate (80%iger Schutz)

Gelbfieber
Bei Reisen in viele tropische Länder ist die Gelbfieberimpfung sinnvoll oder sogar vorgeschrieben.

Komplikationen der Krankheit:
Es können Schäden an Leber, Nieren oder Gefäßen auftreten und bis zum Tode führen.

Impfung:
Einmalige Impfung ist nur an speziellen Gelbfieberimpfzentren möglich, Die Impfung ist gut verträglich.

Schutzzeit: ca.10 Jahre.

Grippe
Der Grippevirus ist heimtückisch und kann seine Oberfläche verändern. Deshalb muss der Impfstoff regelmäßig den gerade aktuellen Virustypen angepasst werden. Eine Impfung empfiehlt sich bei alten und immungeschwächten Personen, bei denen eine Grippe sehr schwer verlaufen kann.

Impfung:
Im Spätherbst durch eine Spritze.

Schutzzeit: ca. 6 Monate.

Hepatitis (A)
Gefährdet sind Reisende in heiße Gebiete der Erde, besonders unter mangelnden hygienischen Bedingungen. Zur Vorbeugung sollte man nur Gekochtes, gut Durchgebratenes oder Geschältes essen (Cook it, peel it or forget it.). Auf Salat und Eiswürfel sollte gänzlich verzichtet werden, Wasser nur aus verschlossenen Flaschen benutzt werden.

Impfung:
Ca. 4 Wochen vor Reiseantritt und eine zweite Impfung nach frühestens 6 Monaten.
Mittlerweile gibt es in Deutschland einen Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B. Zwei Impfungen sind im Abstand von 4 Wochen vor Reisebeginn zu verabreichen. Um einen Langzeitschutz von 10 Jahren zu erreichen, muss eine dritte Impfung nach 6 Monaten verabreicht werden.

Schutzzeit: 10 Jahre

Für chronisch Kranke, in der Schwangerschaft und bei Allergie gegen Bestandteile des aktiven Hepatitis A - Impfstoffes, besteht die Möglichkeit einer passiven Hepatitis A - Impfung, die Schutzzeit beträgt hierbei 2-4 Monate.

Hepatitis (B)
Nach den neuesten Impfempfehlungen werden Kinder und Jugendliche generell geimpft. Gefährdet sind aber auch Krankenhauspersonal und andere Personen, die mit viel Blut und Blutprodukten in Kontakt kommen sowie Fernreisende z.B. nach Südostasien. Die Ansteckung erfolgt durch Blut oder Geschlechtsverkehr.

Impfung:
Zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen, die 3. Impfung nach frühestens 6 Monaten. Vor Reiseantritt sollten wenigstens 2 Impfungen erfolgt sein, um 85%igen Schutz zu gewährleisten. Kombinationsimpfstoff Hepatitis A und B erhältlich (s. auch Hepatitis A)

Schutzzeit: 10 Jahre

Tollwut
Für Risikogruppen wie Förster, Wildhüter oder Gartenbesitzer. Außerdem sollte auf jeden Fall nach einem Biss von einem möglicherweise infizierten Tier geimpft werden. Eine nicht behandelte Tollwut führt zum Tode.

Impfung: mehrere Impfungen sind notwendig.

Schutzzeit: ca. 5 Jahre.

Tuberkulose (Schwindsucht)
Zum Ausbruch der Tuberkulosekrankheit kommt es hauptsächlich bei geschwächten oder älteren Menschen oder bei Personen, die unter schlechten hygienischen und sozialen Bedingungen leben. Außerdem kann man sich auf Reisen infizieren. Eine Impfung für Säuglinge wird empfohlen, wenn in der Umgebung des Säuglings ein Tuberkulosekranker lebt oder wenn Reisen in tuberkulosegefährdete Länder geplant sind.

Komplikationen der Krankheit:
Besonders gefürchtet ist eine tuberkulöse Gehirnhautentzündung.

Impfung:
Die Impfung erfolgt direkt nach der Geburt. Soll später geimpft werden, so muß zunächst ein Test durchgeführt werden, ob der Säugling bereits mit den Bakterien in Kontakt gekommen ist.

Komplikationen der Impfung:
Noch nach vier Wochen kann Fieber auftreten. Drüsen- oder Lymphknotenschwellungen sind möglich.

Impfschutz:
5-10 Jahre Abschwächung einer auftretenden Infektion.

Typhus
Risikogruppen sind Reisende nach Nord- oder Zentralafrika oder nach Fernost.

Komplikationen der Krankheit:
Es können trotz möglicher Behandlung mit Antibiotika z.B. eine Gehirnhautentzündung oder eine Herzmuskelentzündung auftreten.

Impfung:
Gut verträgliche Schluckimpfung mit mehreren Kapseln.

Schutzzeit: 10 Jahre

Zeckenimpfung (FSME)
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine durch Zeckenbisse übertragene Virusinfektion, die zu einer Gehirnhautentzündung führen kann.
Nur ein kleiner Teil der Zecken überträgt den Erreger der FSME. In manchen Gebieten (z.B. Osterreich, Bayern, Odenwald, Südbaden) kommen jedoch gehäuft infizierte Zecken vor und die Ansteckungsgefahr ist deutlich erhöht. Eine Impfung wird für Waldarbeiter oder für Personen, die ihren Urlaub in FSME gefährdeten Waldgebieten verbringen, empfohlen. Jährlich werden aktuelle Karten der gefährdeten Gebiete herausgegeben.

Komplikationen durch die Krankheit:
Nur bei einigen Patienten, meist Erwachsenen, kommt es zu einer gefährlichen Infektion des Gehirns.

Impfung:
Der günstigste Zeitpunkt für die Impfung ist der Winter oder das Frühjahr. Es werden zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen und eine Impfung nach einem Jahr durchgeführt.

Komplikationen durch die Impfung:
Rötung und Schwellung an der Einstichstelle, Fieber und Gliederschmerzen können auftreten. Außerdem sind Allergien und Nervenschädigungen aufgetreten.

Schutzzeit: ca. 5 Jahre.